Mit dem Zug nach Haridwar, von Varanasi die beste Verbindung Richtung Rishikesh. Nach 12h Zugfahrt kam ich dann morgens gegen sieben in Haridwar an, eine Stadt, die mir bis dahin unbekannt war. Schon am Bahnhof alles voll mit indischem Militär und Polizei. Alle 200 Meter Militärposten auf den Straßen. Ich erfuhr, daß an diesem Tag ein indisches Fest beginnt (Mesha Sankranti) und aufgrund dessen und aufgrund der Popularität unter Pilgern, diese Stadt am Ganges ein potentielles Anschlagsziel darstellt und daher immer so viel Polizei und Militär dort präsent sind.

Ich entschied mich, den Mansa Devi Tempel zu besuchen. Nach 30 min Aufstieg zum Berg erwarteten mich und hunderte indische Pilger eine Aneinanderreihung von diversen Gottheiten, welche man in einer Schlange passieren musste und an jedem Stop Geschenke bekam, Blumen oder einen Bindi (den bekannten Punkt auf die Stirn in jeweils anderen Farben). Allerdings wurde auch an jedem Stop etwas Bakschisch verlangt und letzten Endes stand ich nach 10 min wieder vor dem Tempel, mit fünf Farben auf meiner Stirn,nicht wirklich wissend, was gerade hier passiert ist und 500 Rupien ärmer.

Nach meinem Abstieg besuchte ich den Ganges und spazierte am Ufer gen Norden. Überall baden Menschen im Fluss, nach ca. einem Kilometer Fussmarsch werden aus ein paar Badenden plötzlich hunderte. Ein Seitenarm des Ganges ist hier ein öffentliches Bad und ungewöhnlich für Indien mit Geschlechtermischung. Die Mittagshitze zwang mich dann zur Suche nach Schatten und ich endete zusammen mit einem alten Sadu, seinen beiden Ziehkindern und einigen anderen Männern am Ufer des Ganges unter großen Bäumen. Vier Stunden verbrachte ich dort, wurde mit Chai und Essen bewirtet, was dort alles über einem Feuer zubereitet wurde. Ich kämpfte immer noch mit meinem Durchfall, der trotz Antibiotika mittlerweile seit drei Wochen mein ständiger Begleiter war. Die Zeit am Ufer zog sich hin, meine neuen Freunde wollten mich nicht gehen lassen und irgendwann war meine Wasserflasche leer. Der Sadu ging ans Wasser und füllte sie mit Wasser vom Ganges. Die Heilkraft des Ganges anpreisend bot er mir das Wasser an und meine anfängliche Skepsis wich dann doch meinem extremen Durst und ich trank das kühle Nass.

Am frühen Abend musste ich dann wieder Richtung Bahnhof, um meinen dort gelagerten Rucksack abzuholen und mit einem Taxi Richtung Rishikesh zu fahren. Dort angekommen, war mein gebuchtes Hotel voll und ich kämpfte mich von Hostel zu Hostel, um endlich eine günstige Unterkunft für eine Nacht zu finden. Ursprünglich sollte ja Rishikesh nur ein kurzer Stop auf meiner Reise Richtung Kashmir sein, aber irgendwie verlief dann doch alles anders..

Nachdem ich endlich ein Bett fand, kam mir am Morgen danach die Erkenntnis, daß das Wasser des Ganges eventuell doch eine heilende Wirkung hat, denn das erste Mal seit Wochen war die Rückmeldung aus der Toilette freundlich. Nachdem ich bereits vier Tage zuvor vollkommen deprimiert meine letzte Antibiotika genommen hatte, überraschte mich diese Entwicklung doch sehr und in folgenden Gesprächen mit anderen Reisenden, welche im übrigen oftmals das gleiche Thema haben ;) verwies ich nur noch auf das gute Ganga Wasser, welches jedes Antibiotika um Längen schlägt.

Rishikesh und besonders Laxman Jhula, der Nordteil der Stadt erwies sich anfänglich als relaxte Ortschaft mit einer wundervollen Umgebung. Der Ganges hat dort ein tiefes Tal geschnitten, welches man über einer Hängebrücke überqueren kann. Der kurze Weg über den Fluss ist jedoch meistens als Kampf gegen Motorräder, Indische Selfie-Touristen, Kühe und Affen, die den zwei Meter schmalen Steg als Aufenthaltsort nutzen.

Laxman Jhula ist als Touristenzentrum hauptsächlich belagert von Yoga Touristen, die hier in einem der vielen Yogazentren ihre Kenntnisse verbessern und auch dementsprechend zertifizieren lassen wollen. Dementsprechend findet man überall neben den obligatorischen Dreadlocks, Julia Roberts Verschnitte in der Mitte ihres Lebens, die hier versuchen, "Eat,Pray,Love" nachzuspielen. Sorry für den Sarkasmus, aber nach mehreren Tages des Relaxens dort, lies mich dieser Eindruck nicht mehr los. Morgens ging ich hinunter zum Ganges, um im kühlen Wasser zu baden. Tagsüber verbrachte ich in Rishikesh auf dem Markt oder entspannte auf dem Dach des Hotels.

Das zweite Mal auf meiner Reise lernte ich andere Traveller kennen. Johannes aus Dresden und Martin aus Österreich. Nachdem wir beschlossen hatten, daß wir gemeinsam der Hitze entfliehen, nahmen wir zusammen einen Zug nach Ambala um von dort weiter nach Manali zu reisen, Himachal Pradesh versprach entspannte 20 Grad. Und es war zumindest auf dem Weg Richtung Kashmir.

Mittlerweile hatte ich mich von meiner ursprüngliche "Planung" verabschiedet, meine letzten Wochen in Kashmir zu verbringen, da die Reise nur noch via Bus möglich ist und die Reisezeiten evtl. eine rechtzeitige Rückkehr nach Delhi verzögern könnten.

In Ambala warteten wir dann mit anderen Reisenden aus US, Russland und England ca. drei Stunden unter einer dreckigen Hochstraße mitten in der Nacht auf den verspäteten Volvo Reisebus aus Delhi. Morgens gegen sieben erreichten wir dann Manali und relaxte zehn Grad. Nach einem guten Frühstück in Old Manali sprach uns Kshity an, der noch auf der Suche nach Gästen für sein Hostel war. Für 4,50€ die Nacht im Einzelzimmer konnten wir auch nicht ablehnen und zusammen wanderten wir 500 Meter auf einem schmalen Pfad direkt an einem kleinen Wildbach zu seinem abseits der Touristengegend gelegenen Rockway Backpackers Hub. Ein absoluter Geheimtipp für jeden Reisenden, der in Manali Entspannung sucht. Man hört nur Die Vögel und das Rauschen des Baches. Der Eigentümer saß jeden Tag entspannt im Garten an einem Webstuhl, um dort Stoffe für Pullover herzustellen.

Das Wetter allerdings ist hier so wechselhaft, schon am zweiten Tag regnete es ab vormittags. Die Temperaturen waren hier in den letzten Tagen teilweise nur knapp über dem Gefrierpunkt. Ein absoluter Kontrast zu allen bisherigen Orten, die ich bereist hatte.

Daher auch der Entschluss, bereits vier Tage vor meinem Heimflug nochmals Delhi zu besuchen. Dort erwarten mich wiederum 45 Grad und mein Bus geht in zwei Stunden. Ob ich über die kommenden Tage noch einen Blogeintrag schreiben werde, glaub ich zu bezweifeln. Delhi wird bei mir mit all seinem Dreck, der Hitze und den Menschenmassen nochmals einen bleibenden Eindruck hinterlassen, bevor ich dann wieder mit Lufthansa zurück nach Deutschland in den Frühling fliege.

 

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