Nepal, nun also am Rand des Himalaya. Nach einem schwierigen Flug von Delhi erwies sich Kathmandu als übervölkerte Großstadt, wie vorher auch Mumbai oder Delhi. Allerdings nicht in den Ausmaßen. Das erste Mal sah ich, daß sich jeder Zweite hier mit einem Mund- und Nasenschutz vor der luftverunreinigung schützt. Erst fand ich das ja übertrieben, aber nach nun mehr einer Woche hier kann ich das nachvollziehen. Der Staub der Straßen vermischt sich mit den Abgasen und lagert sich unweigerlich überall ab. Heute war ich in einem Internetcafé, um meine Bilder auf Festplatte zu überspielen. Der hintere USB Port an dem hundert Jahre alten Rechner war so verdreckt, daß es knirschte, als ich meine Harddisc anschloss.

Oft wurde mir in Indien gesagt, daß die Nepalesen weitaus freundlicher und offener wären, als die indische Bevölkerung. Das muss ich hier mal explizit verneinen, denn ich stellte keine bemerkenswertenUnterschiede fest. Zum Beispiel das Personal in dem kleinen netten Hotel außerhalb des Touristenviertel Thamel hier in Katmandu ist genauso zuvorkommend wie auch überall in Indien. Ich lernte wieder viele nette Menschen kennen, sei es in den zahlreichen Tempeln oder auch in der Bergregion. Viele hoffen natürlich auf ein Business mit dir als Touristen, aber wenn man die Prioritäten festlegt, sind sie nicht beleidigt, sondern akzeptieren und führen die Konversation unbeschwert weiter. Also nicht anders als auch in Indien. Wichtig auch hier das eigene Lachen ;) es öffnet fast alle Türen.

An meinem ersten Tag besuchte ich dann auch gleich zu Fuß drei der wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Der Pashupatinath Tempelkomplex ist wohl der berühmteste hinduistische Tempelkomplex im Katmandutal. Den Haupttempel dürfen zwar nur Hindus betreten, aber das komplette Areal mit seinen Verbrennungsstätten ähnlich wie in Varanasi ist faszinierend. Ein nepalesischer "Drinking Man" versuchte, mich ohne Eintrittsgeld in den Tempelbereich zu bringen, indem er mich über den hinteren Zugang auf den Berg lotste, was jedoch nicht funktionierte, da wir oben angekommen aufflogen, ich die 1500 Rupien doch zahlen musste und er eine gehörige Abfuhr vom Kontrolleur bekam.

Danach ging es die vier Kilometer zurück ins Stadtzentrum zum berühmten Katmandu Durbar Square. Hier werden einem die Zerstörungen des Erdbebens vor einem Jahr das erste Mal bewusst, als In Nepal unzählige Kulturdenkmäler und Wohnhäuser zerstört wurden und tausende Menschen ums Leben kamen. Der Tempelkomplex im Zentrum ist zu einem Drittel zerstört, man sieht zwar Bemühungen des Wiederaufbaus, aber anscheinend fehlt dafür Geld.

Danach besuchte ich noch den Swayambhunath, auch Affentempel genannt, der sich auf einem Hügel westlich der Stadt befindet, den man erst über 360 Stufen erklimmen muss. Von dort hat man den besten Ausblick auf Katmandu. Bestenfalls sieht man auch die höchsten Gipfel des Himalaya, was mir allerdings aufgrund schlechter Sicht nicht vergönnt war. Auch dort findet man die Spuren der Zerstörung. Die nepalesische Regierung hat für alle Tempel und Sehenswürdigkeiten Eintrittspreise für Touristen erhöht, teilweise um das Fünffache, um die Renovierungen zu ermöglichen.

Abends war ich erst mit Daniel, einem netten Typ aus der Slowakei, den ich im Flieger kennen lernte, einen trinke in den unzähligen Bars in Thamel, am nächsten Tag dann mit Martina und deren Freunden, die gerade in Katmadu lebt und arbeitet

An den kommenden Tagen raffte mich nun doch die bekannte Reisekrankheit dahin, die Toilette wurde mein Aufenthaltsort No1. Und das nach vier Wochen. Ich war schon stolz, es "Ohne" geschafft zu haben. Einen Tag blieb ich mal komplett im Hotel, fühlte mich dabei aber so überflüssig, da nichts zu erleben war. Daher blieb die Kamera auch zum ersten Mal komplett zwei Tage aus. Mit Medizin aus dem hiesigen Pharmacyshop ausgestattet wagte ich mich dann am Mittwoch auch wieder vor die Tür.

Bhaktapur ist eine gut erhaltene mittelalterliche Stadt, die den Status Weltkulturerbe besitzt. Viel zu sehen, interessantes Stadtleben und wieder Tempel überall. Haha, diese Tempel, Touristen und Geldmacherei. Allerdings war dies nach mehreren Tag Stress in Katmandu aufgrund der Verkehrsberuhigung in Bhaktapur sehr entspannend.

Ich entschloss, am folgenden Tag morgens gegen vier Uhr ein Taxi zu nehmen und ins ca. 40km entfernte Nagarkot (2200m hoch) zu fahren, um mit etwas Glück, laut Internet-Wetter den Sonnenaufgang über dem Himalaya sehen zu können. Nach 2h Fahrt über verschlungene, katastrophale Straßen war mein Glück dann irgendwo anders, es war nebelig und bewölkt, also genoss ich auf der Terrasse eines Resorts den milchigen Sunrise, beobachtete, wie der Nebel sich langsam verzog und sich die Details der Landschaft heraus schälten. Absolute Ruhe, nur Vögelgezwitscher, Grillen und das Krähen der Hähne unten im Tal. Nachdem ich dann dort auch ein schnelles Frühstück eingeworfen hatte, begab ich mich zu Fuß ins Tal. Der "kurze" Weg erwies sich dann als Strecke von ca. 2km steil bergab über einen schmalen Pfad. Mit jeden hundert Metern zurückgelegtem Abstieg wurde mir schmerzlich bewusst, daß ich hier auch wieder zurück muss.

Vereinzelte Hütten, am Hang gebaut, Menschen, die sich neben den Hühnern die Zähne putzen, arme Menschen, die ihre Steinhäuser durch das Beben verloren haben und nun in Wellblechhütten leben. Aus ein paar Hütten wurde schließlich ein kleines Dorf, überall wurde ich begrüßt, die Kinder liefen mir hinterher, aber ohne um "Money, Sir?" zu bitten, sondern aus Neugierde. Ich landete mitten in einer buddhistischen Zeremonie, da in diesem Dorf demnächst eine Tempelanlage neu errichtet werden soll. Irgendwann kam ich dann mit einem Nepalesen ins Gespräch, der für eine lokale Hilfsorganisation arbeitet, um die Folgen von letztem Jahr zu beseitigen. Diese Hintergründe hätte mir ein Guide in der Ausführlichkeit sicher nicht erzählen können.

Die Sonne stand mittlerweile im Zenit und ich merkte, daß ich nun den Aufstieg beginnen muss, da schattige Plätze nur oben zu finden waren, wo der Baumbestand größer. Also die gefühlten zehn km bergauf, ca. 200 Meter Höhenunterschied. Nach vier Pausen erreichte ich dann schnaubend auch wieder das Hotel, und erholte mich mit einem kleinen Mittagsschlaf auf einer Bank im benachbarten Restaurant. Gegen Abend dann mit dem Taxi wieder zurück nach Katmandu. Im Rückspiegel sah ich, daß ich mir zusätzlich zu meiner Diarrhoe nun auch noch einen fetten Sonnenbrand eingefangen hatte.

Nach nun mittlerweile 8 Tagen muss ich feststellen, daß es auch irgendwann mal genug ist mit Tempeln und wenn man in Nepal nicht in ein Ashram geht, Wandern oder Bergsteigen will, eigentlich für die Katmandu Region 4 Tage ausreichend sind, denn dann ist vieles, nicht alles gesehen und irgendwann ärgert man sich nur noch darüber, sich keinen Mundschutz gekauft zu haben

Am Samstag geht es zurück nach Indien, Varanasi, das Busticket ist gekauft und mich erwartet eine 15h Fahrt inkl. 5h Wartezeit an der Grenze zwischen Nepal und Indien. Hatte mich auf einen Sleeperbus gefreut, aber die gibt's auf dieser Strecke leider nicht.

Mehr wieder demnächst

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